Kerbegesellschaft Beuerbach

denn Tradition verpflichtet {seit 1793}

Die 13 Goldenen Regeln

1. "Ein Bier, bitte"
Merke: Ein Bier bestellen geht gar nicht. Damit sagst du, dass du ne knickrige Sau bist, keine Freunde hast oder Antialkoholiker bist…quasi das Allerletzte.

2. "Zehn Bier, bitte"
Also immer mindestens zehn Stück, einen Meter oder ein ganzes Tablett. Nie vorher abzählen, wie viele Leute um einen herumstehen und dann genau die Anzahl bestellen. Am besten irgendeine Zahl über die Theke gröhlen und ab dafür.

3. Wer trinkt mit ?
Ganz falsch: Die Umstehenden fragen, ob sie überhaupt noch ein Bier haben wollen. Wichtige Regel: Gefragt wird nicht! Saufen ist schließlich kein Spaß.

4. Wer bekommt ein Bier ?
Wenn der Stoff da ist, nicht blöd rumgucken und überlegen, wem du denn eins in die Hand drücken sollst. Am besten die Gläser wild in der Umgebung verteilen, denn nur so zeigst du deine Großzügigkeit.

5. Wer zahlt wann, welche Runde ?
In der Regel kommt jeder der Reihe nach dran. Ganz miese Zechpreller saufen die ersten neun Runden an der Theke mit und wenn sie an der Reihe wären, müssen sie plötzlich pinkeln. Der erste Besteller bestimmt meist die Dauer des Projekts: Wenn er zwölf Bier bestellt, müssen alle solange warten, bis zwölf Runden durch sind. Wichtig ist, dass der Strom nie abreißt. Also wenn alle noch die Hälfte im Glas haben, sofort die nächste Runde ordern und das neue Glas in die Hand drücken. Was voll peinlich ist: Mit zwei Gläsern in der Hand an der Theke stehen, deshalb ist Tempo angesagt beim reinschütten…ist schließlich kein Kindergeburtstag.

6. Flucht
Richtig fiese Schweine bestellen zwischendurch noch ne Runde Dauborner oder die absolute Hölle: Jägermeister. Eine Art braunes Schlangengift, das mit dem Eiter von toten Fröschen verfeinert wurde. Hier wird es ernst. Sollte sich so was andeuten, kannst du bloß noch die Flucht ergreifen.
Merke: Biersaufen auf der Kerb kannst du mit etwas Planung und Glück überleben. Aber nach zu viel Jägermeister weigert sich sogar der Notarzt diese Schweinerei wieder zu beleben.

7. Pausen
Konsequent durchgezogen, bist du normalerweise auf der Kerb um halb Neun zu wie ein Pisseimer. Nach Hause geht natürlich nicht, weil Verdacht auf Weichei. Also was tun?
Ganz einfach: Pausen machen! Dafür sind in der Regel zwei Sachen vorgesehen: Essen und Tanzen.

Essen
Vorteil: An der Bude gibt es kein Jägermeister mehr, da bist du also ne zeitlang sicher vor der Alkoholvergiftung durch andere. Nun sind die Stände immer so konzipiert, dass die Nachfrage immer größer ist als das Angebot. In der Bude arbeiten auch meistens Fachkräfte, denen man beim Grillen die Schuhe besohlen kann. Einzige Qualifikation: Sie können mit einem Sauerstoffanteil in der Luft von unter 1% überleben. Deswegen wirken sie auch so scheintot.
Nun sagt der Laie: „Wat’n Scheiß, das könnte man doch viel besser organisieren. Zackzack käm der Fraß übern Tresen.“ Falsch: Die mickrigen Fressbuden mit den Untoten am Grill stehen da nicht aus Versehen, sondern absichtlich. Hier kann man Asyl beantragen von der Sauferei und je länger man auf das verkohlte Fleisch warten muss, desto größer die Überlebenschance.

Tanzen
Im Vergleich zum Essen natürlich die schlechtere Wahl, weil anstrengend und mit Frauen.
Aber irgendwann geht halt kein Fleisch mehr rein in den Pansen und du musst in den sauren Apfel beißen. Also zack, einen Rochen von den Bänken gerissen und irgendwie bescheuerte Bewegungen machen. Wenn du Glück hast, spielt die Band mehr als zwei Stücke und du kannst dir ein paar Bier aus den Rippen schwitzen. Hast Du Pech, kommt sofort nach dem ersten Stück der „Kerbemarsch“ und du stehst wieder da, von wo du gerade geflohen bist. 

8. Die Sektbar
Eine richtig gruselige Bude, quasi die Abferkelbox auf einer Kerb. Hier ist es so voll und eng, dass du sogar noch stehen bleibst, wenn es eigentlich nicht mehr geht. Es soll schon Kriegsverletzte gegeben haben, denen hat man in der Sektbar beide Beinprothesen geklaut und sie haben es nicht gemerkt. Doch der Preis, den du für die Stehhilfe zahlst ist hoch: Du musst Sekt saufen aus so mickrigen Blumenvasen, die man von der Spermaprobe beim Urologen kennt. Ziemlich eklig alles.
Wenn es keine Sektbar gibt, gibst meist ne Cocktailbar: Cocktail heißt auf der Kerb aber nicht Caipirinha oder Margarita sondern Fanta/Korn oder Korn mit Fanta. Also vorsichtig! Hier kann es ganz schnell zu Ende sein.

9. Kotzen
Klingt scheiße…Du wirst aber dankbar sein, wenn dein Körper dir dieses Geschenk bereitet. Du hast Platz für neue Pommes und vielleicht sogar Glück, dass du die letzten zwanzig Bier noch erwischst, bevor sie dein Gehirn erreicht haben. Der Profi jedenfalls kotzt oft und gern.

10. Nach Hause
So jetzt wären wir auch schon beim nach Hause gehen.  Wenn du aber den Zeitpunkt verpasst hast und du kommst vom Pinkeln oder Reihern wieder auf die Kerb und es sind bloß noch zwanzig Mann übrig: Ätsch! Arschkarte gezogen. Denn jetzt heißt es:

11. Die Letzten
Ab jetzt geht es um so spannende Sachen wie „Fass aussaufen“. Es ist immer mehr drin, als du denkst und am besten sparst du dir den Umweg über den Notarzt und rufst gleich einen Bestatter an. Jeder passt jetzt auf, dass keiner heimlich abhaut. Vorteil: Du musst nicht mehr extra nach draußen latschen um zu Pinkeln oder zu Kotzen. Das geht jetzt nämlich alles vor Ort.

12. Nach Hause fällt aus
Mach dir keine Illusionen. Alleine schaffst du es nicht mehr, Taxis gibst nicht aufm Land und wenn, würden sie dich nicht mitnehmen. Deine Frau/Freundin kommt dich erst recht nicht holen, denn sie ist froh, wenn sie dieses Wrack nicht in der Wohnung hat und der Gestank nicht in die Teppiche zieht. Was bleibt ist:

13. Der Morgen danach
Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch die Fenster der Halle. Du wirst wach von einem Zungenkuss, wie du ihn noch nie in deinem Leben gekriegt hast. Leidenschaftlich küsst du zurück. Dann machst du deine verklebten Augen auf und blickst in das fröhliche Gesicht des zottigen Köters von dem Karusselfritzen. Und mit einem eigenen Beitrag zum Thema Würfelhusten fängt der Tag wieder an. Dein Kopf fühlt sich an wie nach einem Steckschuss. Jetzt hilft nur noch eins: Stützbier bis die Maschine wieder halbwegs normal läuft.